Moderne deutsche Geschichte
Deutschland von 1990 bis 2000: Die neuen Bundesländer - Rot-Grün kommt zur Macht ***
Wiederaufbau Ostdeutschlands
Das Jahr 1990 war ein wichtiges Datum der deutschen
Geschichte: Die Bundesrepublik Deutschland
und die ehemalige DDR sind ein gemeinsamer Staat geworden.
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Volksfest am Brandenburger Tor am 3. Oktober (Bild: Wikipedia Commons, Philipp HertzogPhilipp Hertzog)
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Deutschland mit seinen nun über 80
Millionen Einwohnern wurde dadurch der größte Staat Europas.
Bundeskanzler Kohl mit seiner Christlich-demokratischen
Union (CDU) hatte die Wiedervereinigung
herbeigeführt. Die Sozialdemokratische Partei (SPD) hatte
Bedenken dagegen; viele in ihr
sympathisierten
[1] mit
dem kommunistischen Regime in der DDR.
Die Menschen in der DDR hatten gehofft, sie würden
durch die Wiedervereinigung schnell so
wohlhabend werden wie die Menschen in Westdeutschland.
Aber durch den Anschluss an den Westen brach zunächst
einmal die ostdeutsche Wirtschaft zusammen. Sie befand sich in einem sehr
schlechten Zustand. Viele Menschen wurden arbeitslos,
zeitweise bis zu 27 % aller Beschäftigten. Die
ostdeutsche Wirtschaft erholt sich nur sehr langsam.
Viele Bewohner der neuen Bundesländer erinnern sich
deshalb gern an die früheren Verhältnisse unter
dem Kommunismus. Manche wünschen sogar die alten
Zeiten zurück. So besteht bis heute zwischen
West- und Ostdeutschen ein gewisser Gegensatz. Die
Deutschen müssten eigentlich für die
Wiedervereinigung ihres Landes sehr dankbar sein,
auch Gott gegenüber. Aber die Dankbarkeit und
Freude darüber ist bei den meisten längst verschwunden.
Globalisierung und Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit ist auch in Westdeutschland ein Problem.
Wie kommt das?
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Arbeitsloser Clown (Bild: pixelio.de)
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Zum einen wird der Mensch immer mehr
durch die Technik ersetzt.Und dann arbeiten heute die
Industrien, Banken usw. innerhalb der einzelnen Staaten und
weltweit immer enger zusammen
[2].
Dadurch kann die
Industrie zwar preisgünstig produzieren und erzielt hohe
Profite
[3], aber
gleichzeitig gehen durch die Zusammenlegung
von Arbeitsbereichen viele Arbeitsplätze verloren.
Auch muss die Industrie in Deutschland hohe Löhne
sowie Lohnnebenkosten
[4] zahlen. Viele
bürokratische Vorschriften, u. a. für den Schutz der
Arbeiter und der Umwelt, engen die Entwicklung
der Wirtschaft stark ein. Die Gewerkschaften haben
in Deutschland großen Einfluss. So ist es schwer,
neue Arbeitsplätze zu schaffen.
In den 90er Jahren stieg die Arbeitslosigkeit langsam an.
1998 waren in Deutschland über 4 Millionen
Menschen ohne Arbeit. Das war mit ein Grund dafür,
dass die CDU unter Kohl die Bundestagswahl verloren hat.
Deutschland in Europa
Jahrhunderte lang haben die Staaten Europas blutige
Kriege gegeneinander geführt. Damit Europa in
Frieden und Wohlstand leben kann, schließen die
europäischen Staaten sich heute immer enger zur
„Europäischen Union“ (EU) zusammen.
In den 90er Jahren hat Bundeskanzler Kohl tatkräftig
am Zusammenschluss Europas gearbeitet. Er
brachte die Deutschen dazu, ihre starke D-Mark-Währung
zugunsten einer europäischen Währung,
des Euro, aufzugeben. Durch Wegfall der Zölle an den
Grenzen wurde 1993 ein gemeinsamer
europäischer Binnenmarkt
[5]
geschaffen. Man reist heute als
Europäer ohne Pass durch Europa. In den
nächsten Jahren und Jahrzehnten sollen auch die
osteuropäischen Länder in die EU aufgenommen
werden.
Fast alle Deutschen möchten heute in einer Demokratie
in Frieden und Freiheit leben. Die Freiheit des
Einzelnen und die Beachtung der Menschenrechte werden
in Deutschland sehr wichtig genommen.
Das zeigt sich auch daran, dass Deutschland viele
Asylanten und Ausländer aufnimmt. Heute leben in
der Bundesrepublik etwa 8 Millionen Ausländer, darunter
viele Türken. Wegen des hohen
Ausländeranteils steigt auch die Quote der Gewalttaten
durch Ausländer. So meinen viele Deutsche,
dass der Staat den Ausländern zu großzügig
entgegenkommt; und manchmal überfallen Rechtsradikale
einen Ausländer. Aber fast alle Deutschen verurteilen
diese Überfälle.
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Gerhard Schröder (Bild: Wikimedia Commons - Hinrich)
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SPD und Grüne regieren
Die Bundestagswahl 1998 wurde von der linksorientierten
SPD gewonnen. Seitdem regiert sie unter
Bundeskanzler Schröder in einer Koalition mit den Grünen
von der neuen Hauptstadt Berlin aus.
In den vorangegangenen 16 Jahren hatte die
bürgerlich-konservative CDU unter Kohl mit der kleinen
liberalen FDP Deutschland gelenkt. Vermutlich wurde sie
auch aus diesem Grund nicht wiedergewählt.
Die Menschen wollten Männer mit neuen Ideen an der Spitze des Staats.
Bundeskanzler Schröder ist ein geschickter Politiker.
Er ist bei der Bevölkerung beliebt. Es
gelang ihm, die pazifistischen Grünen für den
(nicht-militärischen) Einsatz deutscher
Soldaten auf dem Balkan
[6]
zu gewinnen. Im Hinblick auf
Hitlers Angriffskriege erschien es
bis dahin als politisch nicht vertretbar
[7], deutsche
Soldaten im Ausland einzusetzen.
Schröder brachte auch einen Kompromiss
[8] zwischen den
Grünen und der Atomindustrie zustande. In
den nächsten Jahrzehnten sollen alle deutschen
Atomkraftwerke nacheinander abgeschaltet werden.
In der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat Schröder
allerdings bisher wenig Erfolg gehabt. Im Winter
2000/01 waren wieder über vier Millionen Menschen arbeitslos.
Verfall der Werte
Neben anderen CDU-Politikern hatte vor allem Bundeskanzler
Kohl einige ihm in den 90er Jahren für
seine Partei, die CDU, übergebene große Spendenbeträge
verschwiegen. Damit hatte er sich zwar
nicht juristisch, aber moralisch schuldig gemacht.
Das hat der CDU bei den nachfolgenden Wahlen
sehr geschadet.
Aber auch die Politiker von SPD und Grünen tragen
durch ihre Gesetze und ihre Lebensführung zum
Verfall der ethischen Werte bei. Solche aus dem
Christentum stammenden Werte sind z. B.: der
Glaube an den Gott der Bibel und die Bindung
an die von Ihm gegebenen Ordnungen, die sog. Zehn
Gebote. Davon abgeleitet auch die Unantastbarkeit
des ungeborenen Lebens, Fürsorge für Kranke
und Behinderte, der Schutz von Ehe und Familie,
Fleiß und Arbeitsbereitschaft. Statt dessen wird
durch neue Gesetze der Mensch immer direkter
aufgefordert, vor allem an sich selbst und seine
Freiheiten und Vorteile zu denken. Sein Egoismus
[9]
wird gefördert, z. B.: Überbewertung des
Materiellen
[10]
, Erleichterung der Ehescheidung,
Legalisierung der Abtreibungen
[11], Einführung der sog.
Homosexuellen-„Ehe“. In den Zeitungen und im Fernsehen
nehmen Sex und Verbrechen einen immer
größeren Platz ein, und der christliche Glaube wird
verhöhnt und zunehmend lächerlich gemacht.
Immer mehr Deutsche verlassen die Kirche
[12]. Ein Drittel
aller Deutschen gehören heute keiner Kirche
mehr an, besonders im Osten Deutschlands
[13]. Vielen
Deutschen geht es materiell gut, während viele
Menschen auf unserer Erde Not leiden. Aber das Wichtigste
für einen Menschen ist nicht, dass er
wohlhabend ist, sondern dass er eine persönliche
Beziehung zu Gott bekommt. Die Bibel sagt dazu:
„Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt
gewinnt, aber Schaden an seiner Seele
nimmt?“ (Matthäus 16,26), und
„Niemand lebt davon,
dass er viele Güter hat.“ (Lk. 12,15).
Hans Misdorf
[1] sympathisieren: besonders einen Politiker,
eine politische Gruppe oder Ideologie gut finden, aber
nicht aktiv unterstützen
[2] Den schnellen Austausch von Nachrichten,
Waren und Geld, der sich auf die ganze Erde ausdehnt, nennt
man auch „Globalisierung“
[3] der Profit: das Geld, das jemand oder
eine Firma bei einem Geschäft verdient, Gewinn
[4] die Lohnnebenkosten: die Kosten, die
außer dem Lohn anfallen, z. B. für die Kranken- und
Rentenversicherung der Arbeiter
[5] Binnen- drückt aus, dass etwas im
Inland (im Gegensatz zum Ausland) ist; der
Binnenhandel, der Binnenmarkt
[6] der Balkan: die Balkanhalbinsel
[7] etwas (vor jemandem) vertreten: eine
Meinung, Entscheidung, Tat o.Ä. für richtig halten und sie
(anderen gegenüber) verteidigen
[8] der Kompromiss: die Einigung bei
Verhandlungen oder bei einem Streit, wobei jeder der Partner
einen Teil der Forderungen des / der anderen akzeptiert
[9] der Egoismus: die Eigenschaft, immer
nur an sich selbst und seinen Vorteil zu denken, Selbstsucht
[10] materiell: die Dinge betreffend, die
jemand zum Leben braucht oder haben möchte
[11] die Abtreibung: Schwangerschaftsabbruch
[12] Es gibt immer noch viele lebendige Christen
in Deutschland. Man findet sie in den großen Kirchen. Besonders
gibt es lebendige Christen in den kleinen evangelischen
„Freikirchen“, z. B. bei den Baptisten. Dort findet man Gott
und Jesus und lernt mit Gottes Hilfe ein guter Mensch zu werden.
[13] Etwas mehr als 30 Prozent gehören jeweils
der evangelischen und katholischen Kirche an.
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